Sterben und sterben lassen

Es ist ein Thema, das so viele in dieser Jahreszeit beschäftigt, auch wenn man es normal gerne von sich wegschiebt. Aber mit einer chronischen Erkrankung sieht man sich damit noch mehr konfrontiert. Balu hat sich in seinem Beitrag Gedanken dazu gemacht:

Eigentlich heißt es ja „Leben und leben lassen“. Als NF2-Betroffener kommt man häufiger als sonst mit dem Tod in Kontakt und so habe ich das Sprichwort einfach mal umgedreht.

Sterben: In der Selbsthilfegruppe sind eher die stärker von NF2 Betroffenen versammelt. Auf unserer Adressenliste sind auch Ehemalige enthalten. Hinter den meisten Ehemaligen steht ein Kreuz. Ich weiß nicht, wie viele unserer Gruppe bereits gestorben sind, seit ich vor über zehn Jahren Forumsmitglied wurde. Ich zähle in Gedanken, an wen ich mich erinnern kann. Die meisten waren jung. Auf Beerdigungen war ich eher selten. Doch bei jeder Todesnachricht fange ich an zu grübeln, egal, ob ich denjenigen gut kannte oder nicht. Es ist weniger die Angst um die eigene Gesundheit. Es ist mehr die Einsicht, wie hilflos wir NF2 letztendlich gegenüber stehen. Die Medizin hat in den letzten Jahrzehnten erhebliche Fortschritte gemacht. Fast jeder von uns hat einen Arzt gefunden, dem er vertraut. Wir sehen, dass manche Ärzte sich regelrecht aufopfern im Kampf gegen NF2. Und trotzdem: Auf Phasen, in denen es uns fast schon blendend gut geht, wir vor Zuversicht strotzen, lauern sie auf uns schon hinter der nächsten Ecke. Die betrübliche Nachrichten, dass es einem von uns gerade sehr schlecht geht und die Hoffnung schwindet, dass es wieder bergaufgeht. Oder wieder ein Todesfall, absehbar oder unerwartet. Heilung ist nicht möglich, Zusammenhalt dagegen schon. Zwar ist die Selbsthilfegruppe ganz sicher keine Gruppe, in der jeder mit jedem kann. Trotzdem erscheint es mir, dass man hier gegenüber Einigen oft näher ist als dies in anderen Gruppen der Fall ist.

Sterben lassen: Am Schwierigsten ist es für mich, wenn ein anderes Mitglied schreibt, dass es sich eigentlich nur noch wünscht zu sterben. Vielleicht kennt der Eine oder Andere das von seinen Großeltern. Diese sind 80 oder 90 Jahre alt, haben ihr Leben gelebt und wünschen sich irgendwann einen schmerzfreien Tod. Als Enkelkind fällt es schon schwer, dies zu verstehen. Noch schwieriger ist es, wenn hier im Forum 20- oder 30-jährige dem Tod so nah gegenüberstehen. Mit NF2 hat man bewusster gelebt – das sagt sich so leicht. Ist es ein Trost?  Was soll ich tun? Wie kann ich helfen? Wie kann ich möglichst taktvoll reagieren? Was ist mit dem Ärger, den man in guten Zeiten mal miteinander gehabt hat – ist er vergessen, vergeben? Wie kann ich den Wünschen gegenüber stehen? Ich weiß es nicht. Ich wünsche uns allen das Beste, wenn wir in einer solchen Situation sind. Auch wenn wir nicht wissen, was wir tun wollen oder sollen. Was immer man auch sich wünscht, wenn der Tod naht. Ich bewundere den Mut, den Einige von uns in einer solchen Situation zeigen. Die Besten holt sich der liebe Gott zuerst.

Ein Gedanke zu „Sterben und sterben lassen

  1. Uwe

    Hallo, ich gehöre wohl zu den Wenigen in unserer Gruppe, die keine Schmerzen in Folge von NF2 haben, außer natürlich zeitweise nach einer Operation. Deshalb habe ich mehr Schiss, nicht mehr aus der Narkose auf zu wachen. Das bedeutet für mich Angst vorm Sterben.

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