Cannabis als Medizin – man lernt nie aus!

Vor kurzem haben wir an dieser Stelle erfahren, dass sich die „NF2-Elite“ traf und gelernt wie eine Rose duftet. Nun berichtet Klaus (Mitorganisator) euch von einem Vortrag während dieses Treffens, der nicht umsonst eine Menge positives Feedback einbrachte.

Ein ganz besonderer Vortrag beim NF2 Mücketreffen

Normalerweise schreiben unsere Teilnehmer den Bericht über unser Treffen, so wie es auch in diesem Jahr wieder gemacht wurde und wir Organisatoren halten uns aus der Berichterstattung raus.

Da der Vortrag aber nicht nur uns Neurofibromatose 2 (NF2) Betroffenen helfen kann, sondern auch genau ins aktuelle Zeitgeschehen passt, berichte ich davon.

Dass Marihuana und Haschisch mit dem Wirkstoff Tetrahydrocannabinol psychische Wirkung hat, nicht nur entspannend wirkt und das Wohlbefinden verbessern kann, sondern auch Antriebslosigkeit bis zur Teilnahmslosigkeit verursachen kann, waren mir bekannt. Dass es bei Schmerzpatienten erfolgreich zur Linderung der Symptome eingesetzt wird auch, doch ob es auch bei unserer Krankheit helfen kann, konnte mir bisher kein Arzt sagen.

Matthias (Hias) Gigler im zum Vortrag passendem Outfit

Hias im passenden Outfit.

Matthias (Hias) Gigler, der aufgrund seiner schweren Erkrankung nun schon einige Zeit Cannabis unter ärztlicher Kontrolle zu sich nimmt, hatte viele Informationen zusammengetragen und so waren wir gespannt auf seinen Bericht, in dem es nicht um Partykiffen, sondern um Cannabis als Medizin gehen sollte.

Wir erfuhren zunächst einiges über die Geschichte der Hanfpflanze, die vermutlich schon seit über 10.000 Jahren genutzt und seit über 3.000 Jahren überall auf der Welt angebaut wird. Dabei stellt die berauschende Wirkung nur einen kleinen Teil der vielfach zu nutzenden Pflanze dar. Sie war Nahrungsmittel, die Fasern der Pflanze sind reißfest und wurden in der Stoff- und Papierproduktion verwendet, ja es gab sogar ein „Hanfmobil“ der Firma Ford, bei dem nicht nur Karosserie, Armaturen und Innenausstattung aus Hanf gefertigt waren, es wurde sogar mit einem Treibstoff aus Hanf angetrieben.

Mit Schauergeschichten wurde nach dem Krieg der Gebrauch von Hanf wieder verteufelt, so dass erst ab 1996 wieder Tetrahydrocannabinol (THC) arme Hanfsorten angebaut werden dürfen.

Dann wurde es erst richtig spannend. Der Naturstoff (Cannabis) enthält über 400 Substanzen, von denen mindestens 60 therapeutisch wirksam sind. Cannabis wirkt daher nicht spezifisch, in einem Fall erwünschte können in einem anderen Fall unerwünschte Wirkungen sein. Allerdings trifft dies im Grunde auf jedes Medikament zu – kein medizinisches Mittel wirkt bei jedem, keines wirkt bei jedem gleich. Im Vorhandensein dieses „Wirkstoffcocktails“ liegt auch eine große Chance:

Hanf, auf spezifische Wirkstoffgehalte hin gezüchtet, ließe sich für verschiedenste Einsatzgebiete Maßschneidern.
Doch wo liegen diese Einsatzgebiete?

Einsatzmöglichkeiten für Cannabisprodukte ergeben sich vor allem bei organisch bedingter Spastik (Multiple Sklerose, Querschnittlähmung), bei Schmerzzuständen, Epilepsie, ADHS, bei Appetitlosigkeit und Abmagerung im Rahmen fortgeschrittener AIDS- und Krebserkrankungen, bei Nebenwirkungen der Krebschemotherapie sowie bei anderen Ursachen von Übelkeit und Erbrechen, beim Glaukom (grüner Star), bei Asthma, bei Bewegungsstörungen, bei Entzugssymptomen, bei reaktiver Depression und einigen weiteren Erkrankungen. Es kann bei Entzug von Alkohol und Heroin unterstützen, die Nebenwirkungen bei Chemotherapien abmildern und die Wirkung anderer Medikamente verstärken.

Somit könnte insbesondere bei der Gabe von schmerzlindernden Opiaten, die Dosierung reduziert und Nebenwirkungen verringert werden.

All das war sehr interessant. Auch, dass Cannabis kein Allheilmittel ist und bei jedem Patienten die ärztliche Überwachung notwendig ist und Krankenkassen, nach der beschlossenen Gesetzesänderung, vermutlich immer öfter die Kosten übernehmen werden.

Leider gibt es keine Erfahrungswerte für unsere Krankheit, die müssen wir wohl selbst erleben. Hias berichtete dass Cannabis bei ihm Schmerzen, Muskelverspannungen lindert, innere Anspannung und Psychosen, beruhigt. Er hat wieder mehr Appetit – was bei seinen krankheitsbedingten Schluckproblemen sehr wichtig ist – und leidet weniger unter Magen-Darm Problemen.

Ob es sich vielleicht auf Dauer positiv auf Nervenleitfähigkeit, Nervenwachstum, Regelung des Hirndrucks auswirkt, oder gar zur Minderung des Tumorwachstums beitragen kann, konnte ihm noch kein Arzt beantworten.
Für mich ist aber deutlich geworden wie wichtig es für uns ist die Diskussion um Cannabis auf einer sachlichen und zielorientierten Ebene zu führen und insbesondere eine Basis zu schaffen auf der Ärzte effektiv forschen und auch therapieren können, denn jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen…… (Art. 25.1. der allgem. Erklärung der Menschenrechte).

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Dem ist nichts hinzuzufügen. Wer nun aber Blut geleckt hat und sich näher für das Thema „Cannabis in der Medizin“ interessiert, sollte mal einen Blick auf die Website des „Deutschen Hanfverbands“ riskieren.

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