Geht nicht, gibts nicht! – Kino und Fernsehen trotz Taubheit

Viele kennen das… man sagt: „Sobald man nichts mehr hört, kann man Kino doch vergessen und Filme im Fernsehen kann man ja auch nicht mehr wirklich gucken.“ 
Aber entspricht das im Jahr 2016 überhaupt noch der Realität? Und wenn nein, was für Möglichkeiten gibt es denn mittlerweile? Valentin wirds euch erzählen und ein paar hilfreiche Tipps an die Hand geben.


Das Stichwort lautet natürlich „Untertitel“ (UT). Durch Untertitel hat man die Möglichkeit einem Film zu folgen ohne dabei akustisch nur ein Wort verstehen zu müssen. Da jedes gesprochene Wort und mitunter sogar Geräusche vom Untertitel wiedergegeben werden.

Nur wo finde ich Untertitel und wie kann ich ganz einfach diese nutzen ohne mir gleich jeden Film als DVD kaufen zu müssen?!

Vor wenigen Jahren gab es noch überhaupt keinen Untertitel im deutschen Fernsehen, jedoch hat sich dies in den letzten Jahren schon deutlich gebessert. So sind Dritte Programme wie MDR, NDR und WDR fast komplett durch Live Untertitel unterstützt. Auch ARD und ZDF bauen ihr Angebot immer weiter aus, so dass auch hier bei Livesport oder Nachrichten mittlerweile zuverlässig ein Untertitel erscheint. Auch in der Online Mediathek der Öffentlich-Rechtlichen Sender nimmt die Zahl der Untertitel unterstützten Inhalte immer weiter zu.

Jedoch immer noch nicht alles! Mir persönlich fehlt der Untertitel bei der „Heute Show“ z.B. sehr.

Pro7, RTL und Co. sind hingegen noch sehr selten mit Untertitel. Am ehesten hat man hier Freitag bis Sonntag um 20.15 Uhr Glück, das der gezeigte Film auch eine Untertitel-Spur hat. Pro7 zeigt vereinzelt Simpsons Folgen oder z.B. Germanys Next Topmodel mit Untertitel. RTL hatte seinerseits das Dschungelcamp dieses Jahr mit Untertitel unterstützt.

Abgesehen davon, ob man solche Dinge überhaupt gucken möchte, ist es gut zu wissen, dass man als Zuschauer mehr Optionen bekommt.

Untertitel kann man am TV übrigens entweder per Teletext einschalten (149, 150 oder im ZDF 777) oder bei neueren Geräten dauerhaft digital aktivieren, in diesem Fall erscheint der Untertitel immer automatisch, wenn die Option aktiviert ist, sobald das laufende Programm Untertitel unterstützt.

Vor vielen Jahren war zudem Kino undenkbar. Heute ist es eingeschränkt möglich!

Per kostenloser Android/Apple App „Starks“ kann man nun barrierefrei ins Kino.

Diese funktioniert eigentlich ganz einfach, man lädt sich Starks ganz einfach vor dem Kinobesuch kostenlos auf sein Tablet oder Smartphone, lädt sich dazu die Untertiteldatei des gewünschten Films runter und schon funktioniert das Ganze auch ohne Internetverbindung problemlos.
Doch was genau macht Starks?

Man startet die App in dem Moment in dem der Film beginnt, nun hört die App mit Hilfe des internen Mikrophones, des jeweiligen Gerätes, die Tonspur des laufenden Films. Anhand der aktuellen Tonspur erkennt die App wo genau der Film sich gerade befindet. Mit diesem Wissen zeigt die App dann auf dem Bildschirm den dazu gehörigen Untertitel direkt live an.

Im Klartext man guckt auf die Kinoleinwand und sieht den Film und guckt abwechselnd auf das Tablet oder Smartphone und liest das Gesprochene mit. Vorteil hierbei: endlich wieder Kino Feeling, kostenlos, kinderleicht und funktioniert in jedem Kino!

Nachteile gibt es leider auch einige. „Star Wars 7“ oder „Avengers 2“ etc. sucht man leider vergebens und kann man mit dieser App NICHT im Kino gucken.

Zudem sollte gesagt sein, dass man die App auf jeden Fall auf einem größeren Bildschirm nutzen sollte und nicht nur mit einem 5 Zoll Smartphone. Leider ist es auf Dauer sehr anstrengend immer von der Kinoleinwand und dem Tablet hin und her zu sehen. Ich rate somit auch ab davon sehr dialoglastige Filme gucken zu wollen, da es sehr anstrengend sein kann, wenn man dauerhaft nur auf das Tablet, anstatt auf dem Bildschirm gucken kann.

Ich selbst habe „Ted 2“, „Jurassic World“, „Fuck ju Göthe 2“ und „Fast & Furious“ hiermit im Kino sehen können und war trotz der kleinen negativen Punkte sehr zufrieden damit.

Die Sache steckt auch noch in den Kinderschuhen. Schon jetzt sollen ähnliche Brillen, wie die bekannten 3D Brillen in der Entwicklung sein, die den Untertitel direkt in das Sichtfeld projizieren können. Die Zukunft bleibt also spannend.

Eine weitere noch einfachere Möglichkeit ins Kino gehen zu können ist es einen Film als „OmU“ zu sehen.

Dies steht für Original mit Untertitel und bedeutet ganz einfach, dass der Film in der ursprünglich gedrehten Sprache erscheint und gleichzeitig deutscher Untertitel auf der Kinoleinwand dargestellt wird. In den üblichen Kinos ist dies nur extrem selten der Fall, jedoch findet man in jeder größeren Stadt kleinere Arthouse ähnliche Kinos, die sehr regelmäßig und in teilweise großer Auswahl aktuelle Kinofilme zeigen.

Ich selbst konnte somit „Star Wars 7“ im Passagekino in Leipzig oder „The Revanent“ in der Zaize in Halle gucken.

Filme mit Omu gucken ist im Vergleich deutlich angenehmer, als mit Starks, da der Untertitel auf der Kinoleindwand erscheint.

Der Nachteil jedoch ist, dass es oft schwer ist eine OmU Vorstellung in der Nähe zu finden, vor allem wenn man selbst nicht in einer Großstadt lebt und keine Lust hat erst den Fahrtweg in Kauf nehmen zu müssen. In dem Fall einfach mal bei google den gewünschten Film in der Verbindung mit der Stadt und OmU eingeben und schon sieht man, ob diese Möglichkeit gegeben ist.

Ein weiterer kleiner Nachteil ist, dass der hörende Freund, der mit ins Kino geht, den Film dann eben auf Englisch hört und deutsch liest.

Man sollte Omu aber  nicht mit OV verwechseln! OV steht nur für Originalversion und bietet keine UT!

Und dann gibt es noch Netflix….

… was soll das denn nun bitte sein?!

Netflix ist eine weltweit erfolgreiche, börsennotierte, amerikanische Firma, die Streaming Dienste für eine monatliche Gebühr (7,99-11,99€) zur Verfügung stellt. Streaming bedeutet nichts anders als Videos (Filme und Serien) per Internetzugang auf dem TV, Tablet oder Smartphone gucken zu können.

Warum erwähne ich Netflix überhaupt in dem bisherigen Zusammenhang? Vor wenigen Jahren hat ein amerikanischer Netflix Nutzer dagegen geklagt, dass Netflix nicht barrierefrei ist. Und hat Recht bekommen! Seitdem laufen komplett ALLE Inhalt auf Netflix ausnahmslos mit Untertitel.

Der Vorteil ist für Gehörlose wie mich selbst einfach extrem. Man bekommt hier bei einem maximalen monatlichen Preis von 11,99€ beste Bildqualität, ausnahmslos komplette Untertitel-Unterstützung und eine extrem große Auswahl an Inhalten. Durch die 11,99€ bekommt man zum Teil 4k Inhalte und kann mit 4 Personen gleichzeitig Netflix gucken. Ich selbst z.B. lege mit 3 Freunden zusammen, von denen jeder 3€ im Monat bezahlt und wir alle können egal von wo Netflix nutzen. Eigentlich können sogar noch mehr als 4 Leute ein Netflixkonto nutzen, weil nur 4 Personen gleichzeitig gucken dürfen. Jedoch im Alltag niemand 24h Netflix guckt und somit dauerhaft den Zugang blockiert.

Inhaltlich bietet Netflix viele bekannte Serien, wie „Breaking Bad“, „How i met your mother“, „Dr. House“ oder „Big Bang Theory“ und viele viele mehr. Dazu kommen exklusive selbst produzierte Formate wie „House of cards“, „Better Call Saul“, „Marcos“ oder die neuen Folgen der 90er Serie „Full House“ unter dem Namen „Fuller House“.

Ebenso ist das Filmangebot sehr groß und weitläufig. Klassiker wie „Der Pate 1-3″ oder „Zurück in die Zukunft“ kann man genau so sehen wie neuere Filme wie die „Eisprinzessin“ und „Der Hobbit“. Amazon Prime und Maxdome etc. sind andere Streaming Dienste, die sich aber abgesehen von den Inhalten dadurch unterscheiden, dass sie nicht komplett Untertitel-Unterstüzung bieten.

Einen Monat kann man Netflix kostenlos testen. Wenn es einem nicht gefällt, muss man sich nicht mit nervigen Kündigungen rumärgern, sondern drückt ganz einfach in der Netflixapp auf deabonieren. Keine Mindestvertragslaufzeit, nix, vollkommen kundenfreundlich ohne Haken. Daher auch der große Erfolg weltweit.

Ich kann es jedem Film- und Serienfreund nur ans Herz legen.

Falls man übrigens Filme auf Festplatte besitzt, kann man sich wenige Kb große SRT Dateien runterladen auf Seiten wie opensubtitles.org und per VLC Player zu dem Film auf PC hinzufügen und Timeings gegebenenfalls selbst anpassen. Etwas umständlich, aber es geht.

Falls ich euch mit meinem kleinen Beitrag irgendwie helfen konnte, könnt ihr gerne in den Kommentaren etwas dazu sagen oder Fragen stellen.

Lg Valentin

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Na denn man los… 😉

5 Gedanken zu „Geht nicht, gibts nicht! – Kino und Fernsehen trotz Taubheit

  1. Astrid Kwiatkowski

    Hallo Valentin, wieder mal ein sehr hilfreicher Betrag. Die Untertitel-App wurde mir auch schon empfohlen und ich werde demnächst endlich mal wieder mit einer (besser) hörenden Freundin ins Kino gehen. Wir ziehen uns dann die UT auf einem Tablet rein ;-). Zu Netflix: ich wäre vorsichtig bzgl. Nutzung mit mehr als 4 Personen. Ich habe von bestimmten Leuten gehört, dass Netflix- Marathons bis annähernd 24 h gar nicht so selten vorkommen – und das blockiert dann doch die anderen Nutzer… Ich brauche dann allerdings erst mal einen neuen Fernseher um die automatische UT-Aktivierung zu nutzen und weitere Sender zur Verfügung zu haben (gab da doch mal ne Umstellung von analog auf digital 😉

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    1. valentin

      Sicherlich neigt man zu serien marathons und guckt auch mal 5h am stück…24h is schwer weil man irgendwann ja schlafen muss.
      Wenn man sich den account mit freunden teilt, sollte man sich natürlich vorher absprechen wer wann etwa guckt.ich hatte diesbezüglich noch nie echte probleme.account sharing ist von netflix sogar indirekt anerkannt und es is 100% legal.sky zb mach hier mega stress.

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  2. Uwe

    Hallo Valentin, vielen Dank für Deine Ausführung , ich persönlich halte quasie ca 90min am Stück durch, Filme mit UT zu verfolgen. Bei NF2 ist es ja nicht mit der Ertaubung erledigt, sondern auch die Augen können deshalb in Mitleidenschaft gezogen sein. Ich gucke abends maximal einen Spielfilm, dann brauche ich Pause. Trotzdem gab es Neuigkeiten, die Sache mit den App. Auf meinen Fonepad funktioniert zum Glück die ARD Mediathek mit UT , so dass ich auch am Krankenbett ohne Halsverrengkung und Störung vom Bettnachbar meine IAF oder UHW gucken kann.
    LG & weiter so
    Uwe

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  3. Astrid Kwiatkowski

    Also… ich war dann gestern nach ewigen Jahren mal wieder im Kino. Mit Tablet und Sparks. Wir hatten die UT vorher über Internet aufs Tablet geladen und tatsächlich, sobald der Film anlief und wir die App aktiviert hatten, wurden mir die UT passgenau zum Film serviert. Wir saßen in der letzten Reihe, da war der „Blickabstand“ zwischen Kino-Leinwand und Tablet, dass ich auf den Knien abgestellt hatte nicht so groß: Herrlich entspannend, wobei man sagen muss, dass der Film „Raum“ dafür auch gut geeignet war mit eher ruhigen Dialogen und viel selbst erklärender „Szenerie“. Klasse, wieder mal ein kleiner Gewinn an Lebensqualität !

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