Immer wieder Sonntags…

Hallo zusammen… ja uns gibt es noch und unser diesjähiges „Blogerwachen“ feiern wir mit einem Bericht der besonderen Art. Corinna wird ihn euch erzählen! Sie ist Tatortfan und der wurde zuletzt in einer Fassung gezeigt, die nicht nur unserer lieben Corinna gefallen hat. Er macht auch ein wenig Hoffnung für all diejenigen, die taub, mit Hörgerät, CI oder ABI und der gleichen versorgt durchs Leben gehen.

Es war Samstag… und nun saß ich da, mit meiner frisch gebrühten Tasse Kaffee und „schmökerte“ die Tageszeitung. Politik, Wirtschaft, Sport… die meisten Themen kommen immerfort. Interessant war natürlich auch der Lokalteil (man mag ja wissen was „vor der Türe passiert“). Dann kam der Fernsehteil und meine Lebensgeister (und auch meine „Neugierde“) waren plötzlich geweckt. Es war nicht das inhalierte Koffein, welches für das Erwachen zuständig war, nein es war die Vorankündigung vom „Sonntags-Tatort“ (24.01) mit dem Arbeitstitel „Totenstille“.

Stille… das passte irgendwie zur Folge, denn diesmal drehten laut des Berichtes „richtige“ Gehörlose mit. Sie würden in dieser Folge eine größere Rolle spielen und es würde mitunter in Gebärden ermittelt.

Ich war den Sonntag also schon voll gespannt – wie setzen die Drehbuchschreiber dieses Thema um. Glaubwürdig, informativ, interessant oder eher „klamaukhaft“, „leicht überspitzt“ und unterhaltsam?

Dann kam der Sonntag, 20.15 Uhr erklang endlich die Titelmelodie und ich war nach ein paar Minuten positiv überrascht.
Die Welt der Gehörlosen wurde dem Zuschauer wirklich nähergebracht – zumindest den Hörenden. Uns „Schlappohren“ kam vieles Bekannt vor, ich fühlte mich fast wie zu Hause 🙂

Es wurde während der Ermittlung vieles gezeigt und erklärt. Etliches wurde integriert…WOW
Z.B.:
* das Lippenabsehen – auch gab es die Erklärung wann man am bestem Versteht – nämlich mit direktem Ansehen und guten Lichtverhältnissen.
* Gebärdendolmetscher waren präsent
* in einer Tanzszene erklärte die gehörlose Person, dass wir Musik an der Lautstärke, der Vibration wahrnehmen
* es wurde auch gezeigt, dass man Gebärden über das Internet (Crash-Kurs) erlernen kann
* in der Wohnung eines Gehörlosen gab es ein Blitzlicht, welches die Klingel signalisierte
* auch wurde solch ein Schreibboard verwendet
* Und gezeigt, dass wir das Handy meist nur für SMS benutzen (denke WhatsApp passt nicht so zu einer „Lösegeldforderung“ – zu intim *schmunzel*
* außerdem wurde grob erklärt, was ein CI ist. (wobei der Kommissar es erst Hörgerät nannte und sogleich verbessert wurde)

Hier hat mir auch gefallen, dass ein Pro- und ein Contragrund genannt wurde (warum die zwei mitwirkenden Filmpersonen sich unterschiedlich entschieden haben). Nämlich Pro: Effektivität – man kann damit Stimme verstehen/wahrnehmen und Contra: Ethik – damit (mit der Technik) werden Gehörlose den Hörenden angepasst/angeglichen.

Was ich noch gut fand war, dass der Kommissar sich als gesunder Mensch in die „Stille“ einfühlen wollte und seine Ohren mit Oropax und Kopfhörer für längere Zeit „deaktivierte“.

Zudem kam auch die Problematik innerhalb einer Familie nicht zu kurz (was in dieser Folge mitunter das „Tötungsmotiv“ war). Es zeigte zwei mittlerweile erwachsene Geschwister, der Mann (Bruder) gesund/hörend und die Frau (Schwester) verlor in jungen Jahren das Gehör. Der Mann/Sohn kam sich immer zurückgesetzt, von seinen Eltern nicht ernst/wahrgenommen vor. Die Frau/Tochter wurde dagegen überbehütet.

Ein Satz hat mir besonders gefallen. Er wurde gleich zu Anfang während der Trauerrede gesprochen:

„Die Gehörlosen sind nicht behindert, sondern werden behindert“.

Man merkt, dass Julia Probsts vom Lippenleseservice (welche den Politikern gerne „auf die Finger klopft“, wenn in Sachen Barrierefreiheit herumgetrödelt wird) am Drehbuch mitwirkte. Es kam z.B. auch die Erklärung, dass man „taubstumm“ heutzutage nicht mehr sagt, weil es diskriminierend ist.

Wo ich manchmal allerdings leichte Bedenken hatte war, dass die Balance zwischen hörend- und gehörlostragenden Filmabschnitten nicht gegeben war. D.h. dass manchmal zu viele Sendeminuten der Gehörlosigkeit und Erklärungen (Drumherum), statt den Ermittlungen bzw. den „Hörenden“ gewidmet wurden. Andererseits war es evt auch so gewollt?

Denn die ganze Handlung (bis auf die „Schnacksel-Aktion“) war auf das Thema „Hörbehinderung/-beeinträchtigung/ -minderung ausgerichtet.

In der Internetkritik am nächsten Tag las ich auch, dass manch eine gesunde (hörende) Person annahm, dass dieser Tatort „speziell“ für Gehörlose gemacht wurde (evt durch die „geballte Ladung“ der Szenen/Informationen). Stimmt aber nicht, er war nicht FÜR, sondern MIT Gehörlosen gemacht.

Mein Fazit zur Tatort-Folge ist folgendes:

Als Anschauung oder Denkanstoß für Hörende ist die Sendung gut gemacht (wie oben bereits erwähnt, sind Betroffene mit der Materie bereits vertraut…oder sollten es sein?).

Wie lange der Film oder wie viel der gezeigten Szenen und Infos im Gedächtnis bleiben, ist eine andere Frage. Immerhin war es keine Doku, sondern eher eine (mit Infos gespickte) Abendsendung/Fernsehfilm.

Eventuell wird auch genau das der Grund sein, warum manch hörende Person diese Folge weniger toll fanden. Nun ja…diese Personen haben eben nichts verstanden (im wahrsten Sinne des Wortes.

¶                                                                        ¶                                                                       ¶

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Somal auch sehr viele NF2-Betroffene ein Lied davon singen könnten müssten. Ob es was gebracht hat? Wir werden sehen….

3 Gedanken zu „Immer wieder Sonntags…

  1. nf2nici Autor

    Ein schöner Bericht zu einem tollen Tatort!
    Es war für hörende Menschen auch noch eine weitere interessante Info dabei: Als der Kommissar in der Wohnung des gehörlosen Freundes der Frau/Tochter ein Hörgerät gefunden hat, wollte er von der Dolmetscherin wissen, weshalb er das hat. Sie erklärte ihm daraufhin, dass Menschen, die den Status gehörlos/taub haben, zum Teil mit Hörgerät doch noch etwas hören können. Laute Geräusche, wie zum Beispiel Sirenen, nicht aber Sprache.
    Bleibt die Hoffnung, dass viele den Tatort gesehen und etwas gelernt haben.

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  2. Pingback: Faschingsgrillen – Mit Schirm, Charme und hochgekrempelten Ärmeln | NF2Blog – Das Original

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