Resilienz-Seminar vom 06.09.-09.09.2018

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

Im September letzten Jahres war es wieder soweit, Ines, Annemarie und
Frederik initiierten und organisierten ein Seminar zum Thema “Resilenz“.

Über dieses Seminar möchten nun Regine und Regina berichten. Weiterlesen

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Damit Linda ihr Gehör nicht verliert

Hey ihr Lieben,

über diesen Link gelangt ihr direkt zum Artikel. Er ist wirklich lesenswert!

http://www.heliosaktuell.de/titelthema/eingriff-ins-gehirn-damit-linda-ihr-gehoer-nicht-verliert/?fbclid=IwAR3XuVZ47ngDLDXUwM3YqEz3DrxkGsnw54c0zkMVG-gc51GnUaSSNla_k7E

Liebe Grüße vom Blog-Team 🙂

Autorenlesung der besonderen Art

Frederik Suter, an NF2 erkrankt und Autor von “Suerte”, einem autobiografischem Buch, das informiert, berührt und nachdenklich macht, hat seine erste Lesung veranstaltet. Hier sein Erlebnisbericht:

Die erste Lesung
Ziel erreicht! Die erste Lesung aus meinem Buch ‚Suerte oder der Teufelskreis des Glücks‘ fand endlich in meiner Heimatstadt Würzburg statt, am 28.02.2018, am internationalen Tag der seltenen Erkrankungen. Passt!
Die Idee, die Lesung auf diesen Tag zu legen, hatte die Inhaberin der Buchhandlung Knodt in Würzburg. Bei der Organisation dieser Veranstaltung war sie voller Enthusiasmus und mit Herzblut am Werk. So fand sich sehr schnell eine Spielstätte, das wunderbare Theater am Neunerplatz, wo mir gesagt wurde, dass 150 Leute reinpassen. Wow! Würden denn so viele kommen?, fragte ich mich. Außerdem machte die Buchhandlung fleißig Werbung, sodass die Lesung sogar in der lokalen Zeitung angekündigt wurde, auch Flyer und kleine Plakate machten in Würzburg die Runde.

suerte-kleinBis zum Tag der Lesung hatte ich keine Ahnung, was mich erwartet, jedoch stieg die Vorfreude von Tag zu Tag. Aus dem Krankenhaus einen Tag vorher gerade noch rechtzeitig entlassen, trafen wir dann die letzten Vorbereitungen. Wer sitzt wo, wieviel Licht brauchen wir, damit ich die Gesichter sehe und die Hörgeschädigten und die Gebärdendolmetscherin, die extra kam und nichts dafür wollte! Oder wo soll sich Brigitte hinsetzen, die ausgewählte Passagen aus dem Buch vorträgt? Wo würde ich (größtenteils schweigend und genießend) sitzen, damit ich die Dolmetscherin sehen kann? (Ich habe außerdem per Bluetooth Mikrofon und dem Handy mit Spracherkennung das Gesprochene verfolgt, die Technik wird tatsächlich immer besser!). Und wo sitzen meine Eltern, die Gedichte auf Englisch und Spanisch vortragen?

Nach und nach kamen die Gäste, der Saal füllte sich und meine Aufregung erreichte ihren Höhepunkt. Ich kam mir vor wie ein Fünfjähriger kurz vor dem Weihnachtsfest. Und tatsächlich, es wurde ein Fest! Nach ein paar Grußworten (meins hat mein Vater aufgrund meiner in großen Räumen schwer verständlichen Stimme vorgetragen) wurde der Saal ziemlich voll. Es entstand nach und nach eine tolle Atmosphäre, die ich zwar nicht hörte (ich glaube, es war recht still) aber spüren durfte. Gespannt wurde gelauscht. So wurde am Ende nicht geklatscht, sondern wie unter Hörgeschädigten üblich, die Hände erhoben und gewedelt – und wie! Voller Stolz war ich und dankbar allen Beteiligten, und auch von ihnen gab es am Ende viele liebe Worte. Sie waren beeindruckt, bewegt, begeistert. Gerade richtig kam das für mich, hatten doch die letzten Monate mit etlichen Krankenhausbesuchen aufgrund einer zickenden Magensonde ziemlich an der Psyche gezehrt. Aber diesen Abend werde ich nie vergessen und ich habe viel Lust bekommen auf weitere Lesungen – nicht zuletzt weil auch die Kasse klingelt …

Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Gestresste

In Kurt Tucholskys Erzählung „Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte“ unternimmt ein verliebtes Pärchen für ein paar Tage einen Ausflug, um den monotonen, ermüdenden Alltag zu entfliehen und sich im ländlichen Rheinsberg zu erholen.

Ebenso ging es den Seminarteilnehmern am diesjährigen NF2-Seminar mit dem Titel „NF2-Was nun?“. Die Themen umfassten unter anderen beruflichen, Alltags-, Hör-, Kommunikationsstress und Burn-out.
Diese Probleme kennt jeder von uns und so machten sich am 28. September knapp zwanzig NF2-Betroffene auf den Weg nach Rheinsberg, in der Nähe von Neuruppin.

Ein Großteil von uns reiste per Bahn an und erreichte im Stundentakt den Bahnsteig in Gransee. Dort erwartete uns bereits ein Shuttle des Hotels „HausRheinsberg“.
Spätestens nach der Ankunft im Hotel begrüßte man sich überschwänglich und fiel sich gegenseitig in die Arme. Jeder freute sich alte Bekannte wiederzusehen und ebenfalls Betroffene kennenzulernen.

Das zweistöckige Hotel ist barrierefrei und die Zimmer haben einen reizvollen Ausblick auf den Grienericksee. Im Haupthaus gibt es ein Untergeschoss in dem sich das Schwimmband, eine Sauna, Kegelbahn und eine Bar befindet.
Jeder erhielt die Chipkarte für sein Zimmer, sobald man diese an einen Kartenleser hält, öffnete die Zimmertür automatisch. Die Zimmer sind hell, geräumig und besitzen einen Balkon, welchen man auch per Rollstuhl erreicht, alles piekfein.

Unsere Organisatoren Sylvana Langer und Benedikt Weber begrüßten uns am Nachmittag. Jeder Teilnehmer stellte sich vor und erzählte, welche Stress-Symptome ihn besonders plagen.
Die Erwartungen an das Seminar waren recht unterschiedlich, aber alle waren gespannt, was sie in den nächsten Tagen erwartet.

Anschließend ging es zum gemeinsamen Abendessen. Im Speisesaal hatten wir zwei lange Tafeln für uns. Es gab ein umfangreiches warmes und kaltes Buffet sowie Obst. Man konnte zwischen mehreren Menüs wählen und wurde von einem netten Kellner bedient. Sonderwünsche waren kein Problem und alle Speisen waren auch für Rollstuhlfahrer gut sichtbar positioniert.
Später konnten wir uns im Speisesaal weiter austauschen. Man sieht sich nicht so oft, infolgedessen gab es viel zu erzählen.

Die Kommunikation ist nicht immer einfach, da fast alle Teilnehmer mehr oder weniger stark hörgeschädigt sind.
Einige Teilnehmer können sehr gut gebärden andere dagegen kaum oder gar nicht. Hier kam die Technik zum Einsatz, Dank Google Spracheingabe oder der App AVA konnte man ins Smartphone sprechen (notfalls auch tippen) und dem Gegenüber das Gesprochene als Text auf dem Display präsentieren.

Freitag

Morgens traf man sich am Büffet im Speisesaal. Das leckere Frühstück und der heiße Kaffee verwandelten auch den letzten Zombie in einen Menschen zurück.
Somit waren wir fit für das Thema des Tages und das lautete Yoga!

Unsere Yogameisterin hieß Angelika Hülsse und ist seit Geburt gehörlos. Sie ist gelernte Zahntechnikerin und hatte in jungen Jahren Stress und einen Burn-out im Beruf. Durch Yoga hat Angelika wieder zu sich selbst gefunden, neue Kraft getankt und gibt seit 2002 Yogakurse für Schwangere und Menschen mit großen gesundheitlichen Problemen.

Angelika begrüßte uns in einem Salwar Kameez, einer traditionellen Kleidung in Indien und Südasien.
Nach einer Einführung in die Geschichte von Yoga ging es zum praktischen Teil. Wir rückten die Tische beiseite und machten Platz für die Yoga-Übungen. Jeder von uns bekam dafür eine Isomatte.

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Die Atmung, insbesondere die Bauchatmung, ist beim Yoga wichtig. Nach einer kurzen Entspannungsübung in der Ruhehaltung (Shavasana) demonstrierte Angelika verschiedene Yoga-Figuren wie Krokodil, Krieger, Sphinx, Vogel, Katze und wir wiederholten diese Figuren. Angelika kam zu jedem und prüfte die korrekte Stellung, lobte oder korrigierte uns notfalls. Die Übungen waren speziell auf uns und unsere Einschränkungen abgestimmt, jeder konnte selbst entscheiden, wie oft und in welchem Tempo er die Übungen ausführt.

In der Mittagspause konnten wir wieder unsere Kräfte sammeln, nachmittags wurden die Übungen wiederholt und es kamen weitere hinzu.

Zum Abschluss des Yoga-Kurses schenkte Angelika jedem ein Beutelchen Yogi-Tee und ein Räucherstäbchen aus verschiedenen ayurvedischen Kräutern.

Zum Kegeln fanden sich am Abend alle im Untergeschoss des Hotels ein. Jeder konnte am Kegeln teilnehmen und es machte allen sehr viel Spaß. Der Tag hätte nicht schöner ausklingen können.

Samstag

Lorenz Lange begrüßte uns zum Tagesthema Qigong. Lorenz ist uns kein Unbekannter, viele kennen ihn bereits aus dem Reha-Zentrum Rendsburg.
Dass der tätowierte Motorradfan Lorenz sich mit Qigong beschäftigt, ahnt man auf den ersten Blick nicht. Auch beim Qigong ist die Atmung sehr wichtig, sie wird mit den Übungen synchronisiert. Qigong dient dazu, den Körper zu entspannen und den Geist zu beruhigen. Die ersten Übungen führten wir im Sitzen aus, später konnten Teilnehmer mit ausreichend gutem Gleichgewicht auch stehen.

Wir lernten u.a. folgende Figuren aus Shibashi (18 Übungen in Harmonie), welche aus dem Tai Chi stammen, kennen:
– der Kranich breitet seine Flügel aus
– der Bambus wiegt sich im Wind
– der Adler
– den Mond anschauen

Lorenz demonstrierte alles und strahlte dabei sehr viel Ruhe aus.

Nachmittags gab uns Lorenz Tipps zu Alltagsproblemen, wie man Kommunikationsstress vermeiden kann und was man bei Treffen oder Feiern mit hörenden Personen beachten muss. Auch welche Sitzpositionen an einer Tafel man besser meiden sollte.

An diesem Abend trafen wir uns in der Bar des Hotels zum Austauschen und geselligem Beisammensein. Es wurde geredet, gebärdet, gespielt und fotografiert.

Sonntag

Leider unser letzter Tag. Nach dem Frühstück mussten die Zimmer geräumt und an der Rezeption ausgecheckt werden.

Halb zehn versammelten wir uns samt Gepäck im Seminarraum und wiederholten mit Lorenz die Übungen des Vortags. Danach folge eine Abschlussrunde, jeder konnte berichten, was ihm am Seminar besonders gefallen hat oder auch nicht. Allen hatte das Seminar sehr gut gefallen und der Spaß blieb nicht auf der Strecke.

Wir bedanken uns bei den Organisatoren, Dozenten und unseren Schriftdolmetscherinnen Annette Lazai und Diana Barth, welche das Gesprochene für uns an die Wand projizierten.

Anschließend konnte man sich kaum trennen, musste sich aber doch voneinander verabschieden. Mit dem Shuttle ging es wieder zur Bahnstation nach Gransee.

Ebenso wie für das Liebespaar Claire und Wolfgang („Wölfchen“) aus Tucholskys Erzählung endet hier unser Besuch in Rheinsberg. Einige Liebespaare gibt es bei uns übrigens auch…

Das Schloss in Rheinsberg haben wir dieses Mal leider nicht besichtigt, unser Schloss war das Hotel „HausRheinsberg“. Wir wurden gut versorgt und köstlich bewirtet. Das Personal grüßte jeden freundlich und so fühlten wir uns fast wie der Alte Fritz („Friedrich der Große“, in seiner Rheinsberger Zeit „Kronprinz Friedrich“).

Nicht nur, dass das Hotel behindertenfreundlich und barrierefrei ist, das ein Mitarbeiter der Rezeption im Rollstuhl arbeitet, kannte ich bisher noch nicht.
Wir behalten das Hotel für ein privates Treffen oder weitere Seminare im Hinterkopf.

Jetzt hat uns der Alltag wieder aber wir kennen Lösungen, um zur inneren Ruhe und uns selbst zu finden oder dem Stress zu entgehen. Vielleicht ist der eine oder andere auf den Geschmack gekommen und entscheidet sich für einen Yoga- oder Qigong-Kurs in seiner Umgebung.

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